
Wesentlich für die Arbeit von Agnieszka Szostek, geboren 1982 in Krakau, sind Fragen nach der Funktion von Malerei. Wie können wir Bilder auf eine neue Weise gebrauchen' Wie kann durch Malerei Raumerfahrung neu definiert werden' Ihre Arbeit untersucht dabei neue Modelle eines Übergangs vom Bild- zum Realraum und die damit verbundene Vision einer neuen diskursiven Sphäre der Wahrnehmung.
Ihre Bilder und Wandarbeiten entwickeln sich an der Grenze zwischen Gegenstandslosigkeit und Gegenstandsbezug. Die von geometrischen Strukturen geprägten Kompositionen betonen zunächst die Objekthaftigkeit des Bildes. Durch die Anordnung der Bildelemente entstehen irritierende optische Effekte. Es eröffnen sich Illusionsräume, die den realen Raum um einen imaginären Raum erweitern. Wird die Komposition digital erzeugt, zeigt sich dennoch ein bewusstes Beharren auf einem subjektiven Formfindungsprozess, der sich dem glatten Design entgegenstellt.
Aus geometrisch konstruierten Einzelelementen entwickelt sich so ein System prozessualer Wechselwirkungen. Dieses Vorgehen kann mit einem Satz Martin Heideggers beschrieben werden: '(Die in der Natur verborgene Energie wird) aufgeschlossen, das Erschlossene umgeformt, das Umgeformte gespeichert, das Gespeicherte wieder verteilt und das Verteilte erneut umgeschaltet ...'.
In der Arbeit 'Campanile' (2010) füllt ein Oval nahezu die gesamte Fläche der Rückwand des Schau Fensters aus. Parallel verlaufende Linien, die sich perspektivisch verkürzen, bilden eine Binnenkontur, die den Eindruck perspektivischer Verkürzung erweckt. Der Realraum wird durch die treppenartige Struktur zu einem imaginären, allegorischen Raum ausgeweitet, der im öffentlichen Raum der Straße eine alternative räumliche Erfahrung vorschlägt.